So

26

Mai

2013

DIY Kinderküche

Ich hatte ja schon angekündigt, dass es hier nun auch eine DIY Ecke geben soll, die Euch inspirieren und anregen soll. Ich werkel eigentlich immer irgendwas. Zum einen, weil's mir Spaß macht, zum anderen, weil ich oft Dinge nicht so zu kaufen bekomme, wie ich sie mir vorstelle oder wünsche. Und da ich auf der Suche nach Ideen für unsere Kinderküche selbst so viele DIY-Blogs durchforstet habe, dass ich dabei beschlossen habe, mich zu revanchieren und meine fertige Küche ebenfalls zu zeigen, eröffne ich mit eben diesem Projekt die neue DIY Kategorie.

 

Sohnemann mit knapp drei Jahren liiiiieeeebt es zu kochen. Kuscheltuchsuppe, Pittiplatsch an knackigem Feuerwehrauto, Bausteinegulasch - tagein tagaus werden wir bekocht. Bis Ostern wurde in Mamas und Papas Töpfen gekocht. Schön laut, besonders auf altem Parkett. Die Nachbarn freut's. ;-)

Schon lange war klar: Eine Kinderküche muss her. Weihnachten wurde die Idee nochmal verworfen. Bis zum Geburtstag warten? Geht nicht. Dann gehört's ja nur dem Thronfolger allein und die kleine Schwester darf wieder nicht mitspielen. Also haben wir Ostern dieses Jahr völlig überdimensioniert, Bohrmaschine und Akkuschrauber gezückt und uns ans Werk gemacht.

Ist ja nicht so, als hätte ich nicht auch eine Küche gekauft, aber irgendwie war nicht das richtige dabei. Die IKEA-Küche sieht zwar gut aus, aber etwas schmal für 2 Kinder, zu niedrig für meine beiden Riesen. Eine Backofentür, die zur Seite aufgeht? Herdplatten, die leuchten ohne heiß  zu werden? Finde ich fahrlässig. Und der Preis, naja... Kurzum: Mama hatte wieder so genaue Vorstellungen, dass sie am Ende selbst bauen musste. Et voilà:

Als erstes sollte man sich Gedanken machen, was das Kinder- bzw. Wohnzimmer an Platz hergibt und wie groß die Küche werden soll bzw. darf. Unsere ist 30 cm tief (reicht bei Kleinkindern völlig) und 1 m breit. Danach kann man sich Gedanken machen, welche Bestandteile rein soll (Herdplatten, Ofentür, Waschbecken, Aufsatz, Regalböden, ...) und wie in etwa die Aufteilung aussehen soll. Inspirationen gibt es zum Beispiel unter www.ikeahackers.net, wo häufig günstige IKEA-Möbel wie beispielsweise der Rast-Nachttisch als Grundgerüst verwendet werden. Auch der war mir aber leider zu klein.

Ich skizziere mir immer erstmal grob die Aufteilung, danach mache ich eine massstabsgetreue Skizze und messe/ rechne mir anhand dieser die Masse ab/ aus, die die einzelnen Teile haben müssen. Dabei unbedingt dran denken, die Materialstärke vom Holz zu berücksichtigen!

Dann geht's zum Baumarkt. Leimholz zuschneiden lassen (habe 30 cm Breite für den unteren Teil, 12 cm Breite für den Aufsatz verwendet), ein paar Magnetschnapper eingepackt, Scharniere, ggf. Lack (spielzeuggeeinet!!). Falls nicht vorhanden passende Schrauben nicht vergessen. ;-)

Ein Besuch beim Schweden bringt Küchenstange und Haken (habe mich für Bygel entschieden, da die Haken schön fest sitzen und nicht abfallen, wenn die Kids daran rumhantieren), Türgriffe für Ofen und Schranktür (Lansa) , Knöpfe dür die Herdplatten und den Ofen (Sätta), Kindertöpfe, Gemüsekorb und Co. (Duktig).

Die Salatschüssel ist aus dem Haushaltsladen um die Ecke und der Wasserhahn ist ein altes Stück von ebay.

Als erstes Bohrlöcher anzeichnen und vorbohren.  Schon kann geschraubt werden... Zuerst den Aufsatz, Hakenleiste dran, fertig. Dann den Ausschnitt für das Waschbecken anzeichnen und aussägen. Hier seht Ihr, warum ich alles, was geht, zuschneiden LASSE!! ;-)

Schnell die Schüssel rein - schon sieht's gar nicht mehr so schlimm aus.

Das Loch für den Wasserhahn am Besten auch gleich schonmal Bohren/ Sägen.

Backofentür ist auch schon fertig - verleimem, Scharniere an der Unterseite und Magnetschnapper befestigen, Griff dran....

Den zweiten Griff, Scharniere und Magnetschnapper an die Tür anschrauben.

Bohrlöcher für die Knöpfe anzeichnen, möglichst gerade/ senkrecht bohren, dann sieht's später nicht so schief aus wie bei mir. ;-) Ein wenig Kraftkleber auf die Schrauben geben und Knöpfe zusammenschrauben, nicht ganz fest. Warten.

Wenn der Kleber trocken ist, lassen sich die Griffe drehen, ohne dass sich die Knöpfe dabei weiter ins Gewinde oder wieder auseinander schrauben.

Korpus zusammenschrauben, Blende einsetzen, Tür und Backofentür anbringen, Gegenstücke der Magnetschnapper anzeichnen und anschrauben. Schon fast fertig.

Aus Filz Kreise für die Herdplatten ausschneiden, positionieren und aufkleben. Auch Glasuntersetzer haben meist eine passende Grösse. Habe aber nichts in schwarz gefunden und die häufig zu diesem Zweck verwendeten Pannas sind bei IKEA leider nicht mehr im Sortiment.

Es empfiehlt sich, die Kreise anzuzeichnen und die Markierungen zu behalten. Meine Zwerge hatten sie nach 3 Tagen geschafft abzureissen und ich durfte neu abmessen.

Wasserhahn befestigen (den gab's bei mir erst nachträglich).Ggf. Lampen ankleben.

Aufsatz und Unterbau zusammensetzen. Hm, hab ich was vergessen?

FERTIG!! :-)

Und hier noch nachträglich einige Detailbilder mit Erläuterungen:

Nach mehreren Kommentaren und E-Mails mit Bitte um genaue Anleitung und Masse habe ich mich dieses WE nochmal rangesetzt und die Skizze sauber nachgezeichnet, Detailfotos gemacht (wegen trüben Herbstwetters leider etwas unklar) und Abstände nachgemessen.

Gut für Euch, dass ich die Bohrlöcher nach wie vor nicht verspachtelt habe. ;-) So könnt Ihr die Bauweise noch gut nachvollziehen.

Noch kurz zur Einführung:

Ich mache es immer so, dass ich alle Bohrlöcher vorher von aussen anzeichne und vorbohre. Das Brett , das daran fixiert werden soll, halte ich dann nur noch bündig an und schraube es fest. Dabei immer die Materialstärke beachten und einrechnen. Dazu ist die Skizze so gezeichnet, dass man immer genau sieht, wo welche Bretter aufeinandertreffen und wo man die Materialstärke beachten muss.

Die Materialstärke beträgt bei meiner Küche immer 1,8 cm (meist Standardmass für Leimholz, am besten vor Berechnung der Masse mal in den nächstgelegenen Baumarkt fahren und die dort verfügbaren Masse ausspähen). Beim Aufsatz habe ich beispielsweise am Seitenteil von oben aus gemessen für das oberste Brett einen Abstand von 0,9 cm errechnet (halbe Materialstärke, nach oben hin bündig bündig verschraubt). Der Abstand zum nächsten Brett beträgt 15 cm. Also befinden sich die nächsten Bohrlöcher 17,7 cm von der Oberkante entfernt (1,8 cm Materialstärke oberes Brett plus 15 cm Regalabstand plus 0,9 cm, um auf die Mitte des zweiten Brettes zu treffen). Ööh, war das verständlich? Ich bin gut im kompliziert ausdrücken. ;-)

Wer möchte, kann die Kanten zusätzlich verleimen. Dann hält alles bombenfest. Das sollte aber erst gemacht werden, wenn Ihr Euch auf dem Millimeter genau sicher seid, das alles zusammenpasst. Ich hatte beim Unterbau alle Kanten an die Deckplatte geleimt und danach meine Blenden nicht reinbekommen. Hätte ich vorher nicht geleimt, hätte ich die Schrauben einfach nochmal lösen können. So musste ich die Blenden abschleifen, bis sie passten.

Und hier nun die Bilder....

Der Aufsatz ist 12 cm tief, der Unterbau 30 cm. Die Leisten für die Ofentür und die Blenden sind 6 cm breit. Die Materialstärke beträgt jeweils 1,8 cm. Das Leimholz ist in diesen Maßen standardmäßig im Baumarkt erhältlich. Zumindest bei Hellweg. ;-)
Der Aufsatz ist 12 cm tief, der Unterbau 30 cm. Die Leisten für die Ofentür und die Blenden sind 6 cm breit. Die Materialstärke beträgt jeweils 1,8 cm. Das Leimholz ist in diesen Maßen standardmäßig im Baumarkt erhältlich. Zumindest bei Hellweg. ;-)
Als erstes habe ich den Aufsatz zusammengesetzt. Die Bohrlöcher haben hier einen Abstand zum vorderen bzw. hinteren Rand von 2,5 cm und sind jeweils so ausgerechnet, dass sie auf halber Materialstärke des Brettes liegen, das sie halten sollen.
Als erstes habe ich den Aufsatz zusammengesetzt. Die Bohrlöcher haben hier einen Abstand zum vorderen bzw. hinteren Rand von 2,5 cm und sind jeweils so ausgerechnet, dass sie auf halber Materialstärke des Brettes liegen, das sie halten sollen.
Wenn eine Küchenstange angebracht werden soll, am besten so weit wie möglich nach hinten setzen. So ist sie nicht so im Weg und die Bestecke wackeln nicht so widerspenstig, wenn die Kleinen sie abnehmen/ anhängen wollen.
Wenn eine Küchenstange angebracht werden soll, am besten so weit wie möglich nach hinten setzen. So ist sie nicht so im Weg und die Bestecke wackeln nicht so widerspenstig, wenn die Kleinen sie abnehmen/ anhängen wollen.
Detail Ofentür
Detail Ofentür
Die Kunststoffscheibe eines IKEA Bilderrahmens ist inzwischen zur Scheibe in der Ofentür geworden. Eine preiswerte Variante, allerdings nicht besonders belastbar.
Die Kunststoffscheibe eines IKEA Bilderrahmens ist inzwischen zur Scheibe in der Ofentür geworden. Eine preiswerte Variante, allerdings nicht besonders belastbar.
Ich habe die Scheibe zum Quadrat geschnitten, mit Kraftkleber zunächst auf die Innenseite der Ofentür geklebt. Anschließend Bohrlöcher anzeichnen, unbedingt vorbohren, damit die Scheibe nicht spring. Verschrauben.
Ich habe die Scheibe zum Quadrat geschnitten, mit Kraftkleber zunächst auf die Innenseite der Ofentür geklebt. Anschließend Bohrlöcher anzeichnen, unbedingt vorbohren, damit die Scheibe nicht spring. Verschrauben.
2 Leisten (28 cm lang, damit sie der Ofentür nicht im Weg sind) halten das 'Backblech'. Der Magnetschnapper ist knapp 2 cm nach innen versetzt, da die Ofentür eingesenkt ist.
2 Leisten (28 cm lang, damit sie der Ofentür nicht im Weg sind) halten das 'Backblech'. Der Magnetschnapper ist knapp 2 cm nach innen versetzt, da die Ofentür eingesenkt ist.
Auf den Leisten liegt das Backblech (ebenfalls auf 28 cm gekürzt) auf. So ist es beweglich.
Auf den Leisten liegt das Backblech (ebenfalls auf 28 cm gekürzt) auf. So ist es beweglich.
Tadaaa: Beweglich. ;-)
Tadaaa: Beweglich. ;-)
Die Scharniere (blödes Astloch!)
Die Scharniere (blödes Astloch!)
Tür mti Blende und Griff im Ganzen.
Tür mti Blende und Griff im Ganzen.
Einlegeboden 2 cm in der Tiefe kürzen (28 cm statt 30 cm). Der Magnetschnapper ist ebenfalls etwas nach hinten versetzt, da die Tür versenkt angebracht ist.
Einlegeboden 2 cm in der Tiefe kürzen (28 cm statt 30 cm). Der Magnetschnapper ist ebenfalls etwas nach hinten versetzt, da die Tür versenkt angebracht ist.
Für Türen und Klappen verwende ich gern Stangenscharniere. Würde ich beim nächsten Mal auch für die Ofentür nehmen.
Für Türen und Klappen verwende ich gern Stangenscharniere. Würde ich beim nächsten Mal auch für die Ofentür nehmen.
Die Blende ist links und recht mit je 2 Schrauben fixiert. Der Abstand der Bohrlöcher beträgt zum seitlichen Rand hin 0,9 cm (halbe Materialstärke), von oben aus sind es 1,5 cm, dann nochmal 3,0 cm.
Die Blende ist links und recht mit je 2 Schrauben fixiert. Der Abstand der Bohrlöcher beträgt zum seitlichen Rand hin 0,9 cm (halbe Materialstärke), von oben aus sind es 1,5 cm, dann nochmal 3,0 cm.
Skizze und Maße Gesamtaufbau
Skizze und Maße Gesamtaufbau
Skizze und Maße Ofentür
Skizze und Maße Ofentür
Skizze und Maße Tür
Skizze und Maße Tür

Eigentlich war noch ein bisschen was vorgesehen: Ein weiterer Lansa-Griff an der Seite als Handtuchhalter, Klppenhalter für die Ofentür, eine Rückwand, Lasur (am Besten, bevor die Griffe etc. angeschraubt werden). Im Moment aber alles entbehrlich, wie es scheint. Wenn Nele grössentechnisch etwas aufgeholt hat, kommen noch Füsse unter die Küche, die ggf. später nochmal durch höhere ersetzt werden könnten. So wächst die Küche lange mit und meine kleinen Riesen müssen sich nicht schon im Kindesalter einen krummen Rücken holen.

 

Fragen oder Anregungen? Detailliertere Anleitung gewünscht? Dann hinterlasst mir gern einen Kommentar.

 

Ansonsten: Viel Spass und Erfolg beim Bau Eurer eigenen Wunsch-Kinderküche! :-)

Und zum Schluss noch das Rechtliche:

 

Ihr dürft die Anleitungen und Masse gern zum Bau Eurer eigenen Kinderküche zu privaten Zwecken verwenden. Jegliche gewerbliche Nutzung der Anleitungen, Masse und Bilder ist untersagt. Alle Bilder und Texte unterliegen dem Urheberrechtsschutz.

 

Haftungsausschluss:

Für Fehler in der Anleitung kann keine Haftung übernommen werden. Ich empfehle an dieser Stelle ausdrücklich, Massnahmen zur Erhöhung der Kindersicherheit (Abrunden von Ecken und Kanten bzw. nachträgliches Anbringen von Eckenabrundern u.ä.) zu ergreifen. Die Umsetzung des Projekts liegt in eigener Verantwortung. Haftung für Schäden oder Verletzung, die durch das Spielen mit einer nach dieser Anleitung gebauten Kinderküche verursacht werden, kann nicht übernommen werden.

Meine Kinder dürfen sich auch mal stossen und bisher gab es bei uns auch keinerlei Zwischenfälle irgendeiner Art, trotzdem möchte ich auf die leicht scharfen Kanten und Ecken meiner Küche verweisen, die so wahrscheinlich keine TÜV-Prüfung bestehen würden. ;-)

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